Depression – erste Schritte: Warnzeichen, Weg in die Psychotherapie und Hilfe in der Krise
Woran du eine Depression erkennst, wie du über Sprechstunde und Terminservice 116117 zu einer Therapie kommst, was in der Wartezeit hilft – mit Krisennummern ganz oben und einem Wegweiser zu deinem nächsten Schritt.
Sofort Hilfe – wenn es gerade nicht mehr geht
Wenn du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, oder dich nicht mehr sicher fühlst: Du musst damit nicht allein bleiben. Ruf jetzt an – auch nachts, auch am Wochenende.
- 112Notruf bei akuter Lebensgefahr – für dich oder einen anderen Menschen.
- 0800 111 0 1110800 111 0 222116 123TelefonSeelsorge: rund um die Uhr, kostenfrei und anonym. Auch per Chat und Mail unter online.telefonseelsorge.de.
- 116 117Ärztlicher Bereitschaftsdienst: rund um die Uhr, kostenlos, wenn die Praxen geschlossen sind und es nicht bis morgen warten kann.
- 0800 33 44 533Info-Telefon Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe: Mo, Di, Do 13–17 Uhr, Mi und Fr 8:30–12:30 Uhr. Informationen zu Krankheit, Behandlung und Anlaufstellen – kein Krisendienst. Zeiten können sich ändern, bitte auf deutsche-depressionshilfe.de prüfen.
Du kannst dich in einer akuten Krise auch an die Notaufnahme oder die psychiatrische Klinik in deiner Nähe wenden. Viele Städte und Kreise haben außerdem einen Sozialpsychiatrischen Dienst.
1. Mein nächster Schritt
Vier kurze Fragen – danach siehst du, welche Anlaufstelle jetzt am besten passt. Deine Antworten bleiben in deinem Browser und werden nicht gespeichert oder übertragen. Der Wegweiser ersetzt keine Diagnose.
Beantworte die Fragen oben
- Ohne JavaScript gilt: Bei akuter Gefahr sofort 112 oder die TelefonSeelsorge (0800 111 0 111) anrufen. Sonst ist die Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Sprechstunde der erste Schritt.
2. Warnzeichen: Wann solltest du zum Arzt gehen?
Jeder Mensch hat traurige oder erschöpfte Phasen. Eine Depression ist mehr als ein Stimmungstief: Sie ist eine ernsthafte, gut behandelbare Erkrankung. Fachleute sprechen von einer Depression, wenn Beschwerden mindestens zwei Wochen anhalten. Die drei Hauptzeichen sind:
- gedrückte Stimmung über weite Teile des Tages,
- Freudlosigkeit und Interessenverlust – auch an Dingen, die dir früher wichtig waren,
- Antriebsmangel und schnelle Erschöpfung.
Häufig kommen weitere Zeichen hinzu: Schlafstörungen, wenig Appetit, Konzentrationsprobleme, geringes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, innere Unruhe, Hoffnungslosigkeit und Gedanken an den Tod.
Wann zum Arzt? Wenn mehrere dieser Zeichen seit zwei Wochen oder länger bestehen und dein Alltag darunter leidet, lass dich untersuchen. Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle; dort lassen sich auch körperliche Ursachen wie eine Schilddrüsenerkrankung ausschließen. Du kannst aber auch direkt eine psychotherapeutische Praxis aufsuchen – dafür brauchst du keine Überweisung.
Gedanken an Suizid sind immer ein Grund, sofort Hilfe zu holen – nicht erst nach zwei Wochen. Nutze dann die Nummern aus dem Krisenkasten oben.
3. Der Weg in die Psychotherapie
Gesetzlich Versicherte gehen in Deutschland einen festen Weg. Die wichtigsten Stationen:
- Psychotherapeutische Sprechstunde: Sie steht vor jeder Behandlung. Hier wird geklärt, ob eine psychische Erkrankung vorliegt und welche Hilfe passt. Du darfst mehrere Praxen für ein Erstgespräch anfragen.
- Formular PTV 11: Wenn die Praxis dich nicht selbst weiterbehandeln kann, bekommst du nach der Sprechstunde dieses Formular. Ist darauf vermerkt, dass eine Behandlung „zeitnah erforderlich“ ist, erhältst du einen Vermittlungscode.
- Terminservicestelle 116117: Mit dem Code vermittelt dir die 116117 (telefonisch oder online) einen Termin. Laut 116117 soll der Termin bei einer Akutbehandlung höchstens zwei Wochen, bei einer regulären Psychotherapie höchstens vier Wochen in der Zukunft liegen.
- Akutbehandlung: Bei starker Belastung sind bis zu zwölf Sitzungen à 50 Minuten möglich – ohne Antrag bei der Krankenkasse.
- Probatorische Sitzungen und Therapie: Danach folgen Kennenlernstunden und die eigentliche Kurz- oder Langzeittherapie, die bei der Krankenkasse beantragt wird. Vorher ist ein ärztlicher Bericht nötig, der körperliche Ursachen ausschließt.
Neben der Psychotherapie gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten, etwa Medikamente oder eine Kombination aus beidem. Welcher Weg passt, entscheidest du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
4. Die Wartezeit überbrücken
Bis ein Therapieplatz frei wird, kann Zeit vergehen. Diese Zeit musst du nicht ungenutzt verstreichen lassen:
- In Kontakt mit der Hausarztpraxis bleiben: Vereinbare Kontrolltermine. Wenn es dir schlechter geht, kann die Praxis reagieren.
- iFightDepression: Ein kostenloses, begleitetes Online-Selbstmanagement-Programm für Menschen mit leichteren Formen der Depression, unterstützt von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Den Zugang bekommst du über deine Hausarztpraxis oder deine psychotherapeutische Praxis.
- Apps auf Rezept (DiGA): Digitale Gesundheitsanwendungen sind vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geprüft. Sie werden ärztlich oder psychotherapeutisch verordnet oder von der Krankenkasse genehmigt. Das offizielle Verzeichnis findest du unter diga.bfarm.de.
- Gruppenpsychotherapeutische Grundversorgung: Manche Praxen bieten kurzfristig wenige Gruppentermine an, für die kein Antrag nötig ist. Frag in der Sprechstunde danach.
- Info-Telefon Depression: Unter 0800 33 44 533 bekommst du Informationen zu Behandlung und Anlaufstellen in deiner Region.
Vorsicht bei Angeboten, die schnelle Heilung versprechen oder hohe Vorauszahlungen verlangen. Seriöse Anbieter nennen Träger, Fachleute und Kosten offen.
5. Selbsthilfegruppen: eine Ergänzung, kein Ersatz
In einer Selbsthilfegruppe triffst du Menschen, die selbst erlebt haben, wie sich eine Depression anfühlt. Viele erleben es als große Entlastung, nicht mehr erklären zu müssen, warum schon das Aufstehen schwerfällt. Man tauscht Erfahrungen mit Ärzten, Therapie und Alltag aus und merkt: Ich bin nicht der Einzige.
Wichtig: Eine Selbsthilfegruppe ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Sie wird von Betroffenen getragen, nicht von Fachleuten. Am meisten hilft sie neben einer Behandlung – oder während du auf einen Platz wartest.
- Im Verzeichnis für Depression findest du Gruppen nach Ort, Umkreis und Format (vor Ort oder online).
- Die Selbsthilfe-Kontaktstellen in deiner Region kennen die Gruppen vor Ort und helfen bei der Suche.
- Wie ein erstes Treffen abläuft, liest du im Ratgeber Der erste Besuch in einer Selbsthilfegruppe.
6. Für Angehörige: begleiten, ohne sich zu verlieren
Wenn ein Partner, ein Kind, ein Elternteil oder ein Freund an einer Depression erkrankt, fühlen sich Angehörige oft hilflos. Ein paar Grundregeln helfen:
- Die Krankheit ernst nehmen: Gut gemeinte Sätze wie „Reiß dich zusammen“ verstärken Schuldgefühle. Besser: zuhören und da sein.
- Zur Behandlung ermutigen: Biete an, einen Termin mit auszumachen oder zur Praxis mitzukommen.
- Suizidgedanken offen ansprechen: Fragen bringt niemanden erst auf die Idee. Bei akuter Gefahr 112 rufen.
- Auf dich selbst achten: Du bist nicht für die Heilung verantwortlich. Hol dir selbst Unterstützung.
Der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) bietet mit dem SeeleFon eine Beratung für Angehörige (0228 71002424) an; seine Landesverbände vermitteln Angehörigengruppen vor Ort. Auch im Verzeichnis findest du Gruppen, die sich ausdrücklich an Angehörige richten.
7. Quellen & Stand
- TelefonSeelsorge Deutschland – Nummern, Erreichbarkeit, Chat und Mail
- 116117 – Ärztlicher Bereitschaftsdienst (Kassenärztliche Bundesvereinigung)
- 116117 – Psychotherapie: Sprechstunde, Akutbehandlung, Terminvermittlung
- Familienportal des Bundesfamilienministeriums – Krisentelefone (Info-Telefon Depression)
- Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention
- gesund.bund.de – Depression (Bundesgesundheitsministerium)
- iFightDepression (European Alliance Against Depression)
- Bundesgesundheitsministerium – Digitale Gesundheitsanwendungen
- BApK – Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen
Stand: Oktober 2026. Nummern und Sprechzeiten können sich ändern – bitte bei der jeweiligen Stelle prüfen. Dieser Ratgeber dient der Orientierung und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Häufige Fragen
Wen rufe ich an, wenn ich an Suizid denke?
Bei akuter Lebensgefahr den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Sind die Praxen geschlossen, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
Brauche ich eine Überweisung für eine Psychotherapie?
Nein. Für die psychotherapeutische Sprechstunde brauchst du keine Überweisung. Vor einer längeren Therapie wird allerdings ärztlich abgeklärt, ob körperliche Ursachen hinter den Beschwerden stecken.
Wie hilft mir die Terminservicestelle 116117?
Wenn nach der Sprechstunde auf dem Formular PTV 11 vermerkt ist, dass eine Behandlung zeitnah nötig ist, bekommst du einen Vermittlungscode. Damit vermittelt die 116117 telefonisch oder online einen Termin, bei einer Akutbehandlung laut 116117 höchstens zwei Wochen in der Zukunft.
Ersetzt eine Selbsthilfegruppe die Therapie?
Nein. Eine Selbsthilfegruppe ist eine wertvolle Ergänzung: Austausch mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben. Sie ersetzt aber keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Was kann ich in der Wartezeit auf einen Therapieplatz tun?
In Kontakt mit der Hausarztpraxis bleiben, nach Akutbehandlung oder Gruppenangeboten fragen und geprüfte Online-Angebote nutzen, etwa iFightDepression über die Hausarztpraxis oder eine verordnete App aus dem DiGA-Verzeichnis. Eine Selbsthilfegruppe kann dich zusätzlich begleiten.
Wo bekommen Angehörige Unterstützung?
Der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) bietet mit dem SeeleFon eine Beratung an, seine Landesverbände vermitteln Angehörigengruppen. Das Info-Telefon Depression (0800 33 44 533) informiert auch Angehörige.